Der Zeigefinger in der Ernährung

VonDaniela

Der Zeigefinger in der Ernährung

Mich schockt ja so leicht nichts mehr, was es so im Bereich der Ernährung so gibt. Da ist es schon egal, ob es sich um die Ernährung von Hund, Katze oder die des Menschen dreht. 

Auch die immer wieder aufploppenden wohlmeinenden Aussagen, was gesund für das einzelne Individuum ist und zu welchen Lebensmitteln beziehungsweise Futtermittel man greifen sollte, sind kein Grund mich zu schocken. Eigentlich. 

Hin und wieder gibt es eine Trigger, der mich zur Weißglut treibt. Dies ist dann nicht nur das „Ich barfe mit Fleisch und nicht mit Abfall“ – Gerede. Oder die „ohne tierische Nebenerzeugnisse im Futter“ – Aussage. Sondern auch wohlmeinende Ratschläge, welche einfach mal aus der Hüfte geschossen kommen, ohne die Situation zu kennen oder weitergehende Informationen zu haben.  

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Warum Ernährung und gut gemeinte Ratschläge manchmal schlecht sind

Mein persönlicher Trigger ist es, wenn man mir ungefragt sagt, dass ich mehr Essen soll. Oder das ich doch zu gesunden Lebensmitteln greifen soll. Klar wer mich sieht oder eben ein Foto von mir sieht, wird diesen Satz:

„Mädel du musst mehr essen!“

definitiv im Kopf haben. Aber bitte behaltet ihn dann auch in eurem Kopf, wenn ihr nicht möchtet, dass ich euch selbigen abreiße. Warum? Weil ich euch versichern kann, dass ich mehr als genug esse. Nein ich muss auch nicht mehr Sport machen, auch da bin ich gut versorgt 😉 

Warum es mich so triggert?

Seit ich denken kann, versuchen die Menschen mit auf einen gesunden BMI zu bringen. Bisher ist es keinem gelungen. Ich habe einige Ernährungsberater verschlissen und es war beziehungsweise ist der Grund, warum ich nun die Ausbildung für den Menschen mache. 

Ich hatte einen Ernährungsberater kontaktiert, der mich allein vom Anblick aufforderte, erst einmal eine Psychotherapie wegen der vorhandenen Essstörung zu machen. Diese Aussage wurde getroffen, ohne auch nur ein Wort vorher mit mir zu wechseln. Noch nicht einmal ein guten Tag gab es. 

Andere – auch von der Krankenkasse finanzierte – kamen mit ihren üblichen Strategien nicht weiter. Es ist verständlich, weil Menschen mit meinem Problem eher selten in der Ernährungsberatung aufschlagen. Wir freuen uns darüber, dass wir alles essen können, was wir wollen und auch so viel wir wollen. 

Und ja auch wir haben einen gewissen Leidensdruck, es ist nämlich kein Spaß, dass wir – in einem gewissen Alter – auf Kleidung zurückgreifen müssen, die einen dann eher auf zwanghaft Jungbleiben ausgehen. Oder eben an anderen Stellen nicht passen. Bei mir sind zum Beispiel Hosen grundsätzlich zu kurz, wenn sie in der weite passen oder zu weit, wenn sie in der Länge passen. 

Es ist auch kein Spaß, wenn man bemerkt, wie sich Leute hinter dem Rücken lustig machen und tuscheln. Es ist nicht nur so, das nur übergewichtige Menschen ein dickes Fell benötigen …

Was mich so triggert

Fremde Menschen urteilen an Hand vom Aussehen. Sie haben kluge Ratschläge – die vielleicht noch nicht einmal böse gemeint sind, aber völlig falsch. Diese Ratschläge kommen eben, wenn man Personen, deren Leben und viele andere Faktoren gar nicht kennt. Ich persönlich würde keine Menschen sagen, tue dies oder jenes oder iss was auch immer. Aber ich selbst muss mich mit solchen Ratschlägen eigentlich fast täglich herumschlagen. 

Viele Gespräche beginnen bei mir mit: 

„Darf ich dir eine Frage stellen?“

Ich antworte schon immer pro forma mit: 

„Nein ich habe keine Essstörung !“

Die Menschen sind dann teils sehr betroffen.

Nicht nur beim Menschen ein Problem

Schaut man sich auf Facebook so um, stellt man fest, dass dieses Problem mit den Besserwissern ein recht generelles Problem ist. Völlig egal, ob es sich um Hund, Katze oder Mensch handelt. Es gibt immer jemanden der entweder die Moralkeule rausholt oder meint das alle anderen keine Ahnung haben und man ja selbst sehr viel weiss. 

Manchmal ist es nur eine Definitionsfrage. Man spricht vielleicht über den selben Kontext, aber weil es in einer anderen Diät anders heisst und der weitere verwendete Begriff dort als schlecht eingestuft wird, gibt es streit, erhobene Zeigefinger und Belehrungsversuche. Das ist zuweilen sehr anstrengend. Aber eher kein Drama.

Schlimmer wird es, wenn zum Beispiel eine veterinärmedizinische Diät verordnet bekommt, welche protein- und fettreduziert ist und gefragt wird, wer Erfahrung mit dieser Diät hat und als erste ein Futtermittel empfohlen wird, welches genau das Gegenteil von dem ist, was gefüttert werden soll.

Oder die Katze, die kein Barf verträgt. Die an Durchfall und Erbrechen in dieser Situation leidet und wo nach einer anderen Möglichkeit der Ernährung gefragt wird, wieder als erstes Barf zu empfehlen ist dann doch schräg.

Erhobene Zeigefinger haben in der Ernährung nichts zu suchen!

Wenn jemand eine Ausbildung macht, sich Hilfe sucht oder fragend an die Gemeinschaft wendet, dann ist es eher kontraproduktiv, dort ohne weitere Hintergründe zu kennen, lehrreiche Ratschläge zu geben. Es ist eher hilfreich nachzufragen, um sich vielleicht ein besseres Bild von der Situation zu machen.

Denn nur wenn man die Fakten kennt, kann man zielgerichtet etwas raten, was auch angenommen werden kann und definitiv nicht falsch ist. Dann erreiche ich auch den Menschen hinter der Thematik, ohne ihn zu triggern. 

Ein Futtermittel zu empfehlen, weil man es als Vertreter verkaufen möchte, obwohl es gar nicht zu der Situation passt, ist bedenklich und wirft auf alle anderen Vertreter ein schlechtes Licht.

Zu raten auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten und dafür andere zu sich zu nehmen und gleichzeitig auch noch Nahrungsergänzungsmittel anzubieten … Ähm ohne Worte. Warum sollte man irgendwelche Pillen schlucken oder Pülverchen trinken, wenn ich doch alles was ich benötige in frischen Lebensmitteln finde? 

Fazit ohne Zeigefinger

Es gibt nicht die Ernährung, Nahrungsmittelgruppen oder Futtermittel, die für alle Hunde, Katzen oder Menschen passt. Zum einen sind alle Lebewesen individuell und sollten auch so betrachtet werden und zum anderen muss ja auch das empfohlene passen und vertragen werden. Dazu muss man es erst einmal essen mögen. Was nutzt denn der tollste Ernährungsplan, wenn Hund oder Katze es nicht fressen oder es ein Standardplan ist, der auf das Individuum gar nicht passt. 

Ich bleibe da immer individuell und auch ungebunden – obwohl ich auch meine Präferenzen und Lieferanten habe. Mir sind die Wüsche und Erfahrungen der Menschen wichtig, die bei mir Hilfe suchen. Es ist eine sehr persönliche und individuelle Geschichte und nur wenn ich diese kenne, kann ich die passende Ernährung und das passende Futter bzw. Lebensmittel zu einem Plan kombinieren.

Der Mensch, der Hilfe sucht muss sich mit dem Ergebnis wohlfühlen, es muss zu ihm passen und wenn es ein Trockenfutter für die Katze ist – ja es ist das schlechteste was es gibt – ist es eben so. Wenn die Katze nichts anderes kennt, bekommt sie dieses erste einmal weiter und dann kann man schauen, welche Schritte man gehen kann, um sie auf ein Feuchtfutter oder eine selbst zusammengestellte Ration umzustellen, wenn der Halter es möchte. 

Ich möchte in meiner Situation ernstgenommen werden und so muss ich auch andere Menschen mit ihren Problemen ernst nehmen. Es gibt so viele Menschen die mit ihrem Hund oder ihrer Katze Hilfe suchen und im ersten Satz schon sagen, bitte das nicht, dass haben wir schon, es wird nicht vertragen, aber jeder empfiehlt dieses. 

Lasst uns doch einfach mit mehr Objektivität an die Ernährung gehen und sie eigene Subjektivität hinten anstellen. Das macht die Welt ein kleines bisschen freundlicher. Jeder Tierhalter ist ein Mensch und hat seine Gründe warum er einen bestimmten Weg einschlägt und sich so ernährt bzw. füttert, wie er es tunt. 

Bitte fangt bei euch an, etwas zu ändern und versucht nicht andere zu belehren oder gar von etwas zu überzeugen. Das führt zu nichts, ausser noch tieferen Gräben. 

Bildquellen

  • IMG_0035: Daniela

Über den Autor

Daniela administrator

Jahrgang 1974 Ausbildungen zum: - THP - Tiertherapeut - Naturheilkundeberater - Bachblütenberater - Ernährungsberater Hund und Katze Ansprechpartner für: - Thermomix - Emmi Ultrasonic (EmmiPet, EmmiDent, EmmiSkin - AniFit.

    Daniela Schurig - Ernährungsberatung / Ernährungsoaching
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