Vegetarische (vegane) Ernährung für den Hund?

Vegetarisches oder gar veganes Hundefutter führt immer wieder zu kontroversen Diskussionen. Von gesunder Ernährung bis hin zu absoluter strafbewährter Tierquälerei ist dort alles zu finden.

Im Grunde muss man es genauer betrachten, denn in diesen Diskussionen gibt es immer noch viele alte Zöpfe und lange Bärte. Leider sind diese auch immer noch in einigen Bereichen der Ernährungsberatung zu finden.

vegetarisch vegan Hundefutter

Veggi als Hundefutter?

Warum man Hunde nicht vegetarisch oder vegan ernähren sollte?

Nein das spiegelt nicht meine Meinung wieder, sondern ist die Argumentation, der Menschen, die es als Tierquälerei ansehen.

Der Hund ist ein Fleischfressen und seinen Nahrung sollte daher auf Fleisch ausgelegt sein. 

Das ist schon lange nicht mehr so. Viele Wissenschaftler haben inzwischen festgestellt, dass der Hund inzwischen mehr ein Allesfresser als ein Fleischfresser ist. In diesem Zusammenhang sollte man erwähnen, dass Menschen, die gern einen Fleischfresser hätten, sich die Katze anschauen sollten. Dieser sollte man tatsächlich keine Kost anbieten, deren Anteile mehr als 5% pflanzlichen Anteil enthält.

Das Gebiss des Hundes wird gern als Argument für die Flesichernährung herangezogen. Ja der Hund hat ein Raubtiergebiss. Das hat der Große Panda auch und der ist bekanntlich ein Vegetarier. Ebenso haben Braunbären ein Raubtiergebiss und sind eindeutig Allesfressern.

In diesem Zusammenhang kommt der kurze Darm ins Spiel. Das Verhältnis von Darm zur Körperlänge beträgt beim Hund (wie auch beim Menschen) etwa 1:7. Entsprechend müssten wir Menschen auch eher zum Fleischverzehr neigen. Bei uns Menschen ist es aber eher so, dass der Verzicht oder die Reduktion von Fleisch immer mehr gefordert und gefördert wird.

Als nächstes würde dann die Zusammensetzung der Magensäure ins Spiel kommen. Hier verweise ich einmal auf den Blog von Cleanfeeding. Dort ist der Zusammenhang im Vergleich zum Menschen sehr gut erklärt.
An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass auch die Darmbewohner (also das Darmbiom mit seinen Bakterien, früher Darmflore genannt) eine sehr hohe Ähnlichkeit aufweisen.

Alles in allem zeigt, dass der Hund schon lange nicht mehr mit seinem Vorfahren vergleichbar ist. Allein im Rahmen der evolutionären Veränderung hat sich das innere des Hundes komplett verändert. Wir Menschen vergleichen uns ja in dem Zusammenhang auch nicht mit den Menschen der Urzeit.

Können Hunde vegetarisch oder vegan ernährt werden?

Ja sie können, aber sie müssen nicht. Es gibt allerdings auch Erkrankungen, wo ein vegetarisches Hundefutter durchaus sind macht. Es gibt auch Situationen, da muss es ein  veganes Hundefutter sein.

Es gibt Tierärzte, die empfehlen übergewichtigen Hunden eine Diät, welche an zwei Tagen in der Woche ein Hundefutter welches vegetarisch oder vegan ist.
Aber auch bei Erkrankungen der Leber oder der Niere kann es eine solche Kost nötig machen.
Bei Allergien und Unverträglichkeiten stehen wir Ernährungungsberater vor einem großen Problem. Besonders dann, wenn die Halter schon alle möglichen und unmöglichen tierischen Proteinquellen genutzt haben. Dies geschieht leider sehr häufig. Etwas wird nicht vertragen, dann wird nach einem neuen Futter gefragt und etwas anders gefüttert. Das geht dann für einige Wochen gut und es beginnt von vorne. Dann muss ein neues Futter her. Tut das bitte nicht! Bucht eine Beratung und lasst euch bei einer Ausschlussdiät unterstützen. 

Manchmal ist es auch der Abwechslung geschuldet, dass man seinem Hund vegetarisches Hundefutter selber machen möchte. Genauso kann man veganes Hundefutter selber machen. Bei vegetarisch können Milchprodukte (lactovegetraisch) oder auch Eier (Ovovegetrasich) eingebunden werden. Wenn man sich noch etwas weiter entfernen möchte, kann man auch Fisch (Pescovegetraisch) in diesen Rationen anbieten. So muss der Hund nicht ganz auf tierische Proteine verzichten.

Was passiert, wenn Hunde kein Fleisch essen?

Schaut man sich so etwas auf Facebook oder in den Hundeforen um, dann stellt man schnell fest, dass es in den Empfehlungen entweder von Hundefutter aus dem Direktmarketing oder Barf empfohlen wird. Meist ist der hohe Fleischanteil einer der Gründe warum dieses empfohlen wird.

fertiges Barf

Barf Rationen mit Fertigbarf

Wie schon erwähnt, haben sich Hunde verändert. Sie benötigen Nährstoffe, aber keine Nahrungsmittel. So ist es nicht immer gut, wenn es von dem einen zu viel und von dem anderen zu wenig gibt.
Ich stelle immer wieder fest, dass Hunde mit einer Dysbakterie meistens mit sehr viel Fleisch gefüttert werden. Oder schon etwas Älter sind und die Organe im Allgemeinen schwächeln. Die Folge sind dann meist einen Überlastung der Leber und der Nieren.
Auf der anderen Seite kann es zu Mängeln in der Versorgung kommen, wenn man nicht genau weiß was man tut. Das ist aber beim Barf nicht anders als bei einer pflanzenbasierten Kost.

Wenn man sich schlau macht und weiß, was man wie in den Napf kombinieren oder auch ergänzen muss, macht es gar nichts, wenn der Hund kein Fleisch bekommt. Wenn wir uns bei den Menschen umschauen, dann stellen wir fest, dass auch der Mensch seine Nahrung ergänzen muss, wenn dieser auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet. Über die Ergänzungen werden dann die benötigten Nährstoffe zugeführt.

Ist vegetarisches Hundefutter gesund?

Oder ist veganes Hundefutter gesund?

Jeder Futter für unser Tier ist genau so gesund, wie es zusammengestellt und ergänzt wird.

vegan

Das Lieblingsfutter meiner Hunde ist Kartoffeln – Möhren – Püree. Aus tierischer Quelle sind dort Butter, Milch und Sahnen enthalten. Es wäre also lactovegetraisch. Ergänzen könnte ich die Ration noch mit Käse oder Ei. der Terrier steht ja schon in der Küche, wenn die Möhren nur geschnitten werden.

Das ist natürlich sehr individuell zu betrachten. Sei die Fütterungsmenge oder die Zutaten selbst. Mein Hund mag keine Pilze. Da wird dann lieber gar nichts gefressen. Ebenso wie hoher Anteil an Innereien – die auch nicht vertragen werden.

Es gibt inzwischen einige Studien, die bei einer ausgewogenen Nährstoffversorgung, bestätigen dass die Rationen aus pflanzlichen Bestandteilen nicht ungesünder sind, als eine Barfration.

Die im Fachhandel erhältlichen Futtermittel sind in der Regel bereits so substituiert, dass der Hund mit allen Nährstoffen versorgt wird. Hier kann man also ohne größeren Aufwand einkaufen. Egal ob es nun als Leckerchen, als Abwechslung in der Wochenration oder als Alleinfutter gedacht ist.

Möchte man die Ration selber zusammenstellen, dann sollte man sich sehr genau erkundigen oder wirklich unabhängig beraten lassen. Dazu sollte man allerdings schauen, ob die beratende Person, auch weiß, was sie tut. So wie bei Braf nicht einfach nur Fleisch und etwas Gemüse eine gesunde Ration ergibt, ergibt auch nur eine Mischung aus Gemüse noch keinen gesunde Ration.

Eine Möglichkeit sich über eine Fütterung zu informieren wäre der „Leitfaden zur vegetarischen Fütterung„. Dieser Kurs richtet sich an den Hundehalter eines erwachsenen gesunden Hundes. Ich selbst habe mir diesen Kurs angeschaut und kann diesen nur empfehlen. Es gibt eine sehr gute Basis mit allen wichtigen Dingen, die man zu dieser Form der Fütterung kennen sollten. Von der Berechnung der Futtermenge bis hin zur Ergänzung und einigen Rezepten und Plänen zur Zusammenstellung der Ration.

Wenn die Fütterung einen gesundheitlichen Aspekt erfüllen soll, dann ist es wichtig, sich beraten zu lassen. Denn bei einer Erkrankung der Leber – zum Beispiel – muss man noch auf einiges mehr achten. Ebenso bei Magen – Darm – Erkrankungen oder Problemen mit der Bauchspeicheldrüse oder Niere.

Im Fazit

Der Hund ist kein reiner Fleischfresser mehr. Die Proteine können schon mehr sehr kleinen Portionen tierischer Produkte gedeckt werden. Hunde sind, wie wir Menschen, in der Lage aus pflanzlicher Kost Nährstoffe zu ziehen, wenn diese entsprechend aufbereitet wurde. Auch wir Menschen können diese Kostform am besten gegart verdauen, so auch der Hund. Eine ordentliche Zerkleinerung ist ebenso wichtig,  dies muss nicht unbedingt püriert sein.

Ein weiterer Aspekt ist die Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen, die für die Gesundheit nicht ganz uninteressant sind.

Niemand wird gezwungen seinen Hund einen Kostform aufzuzwingen, welche seinen eigenen ethischen Ansprüchen genügt. Aber es ist auch keine Tierquälerei. Es steht nicht mehr oder weniger unter Strafe, wie jeder nicht an den Hund angepasste Fütterungsform. Es ist egal wie man den Hund füttert, wenn die Ration falsch zusammengestellt ist und die Deckung des individuellen Bedarfs nicht gegeben ist, wird der Hund krank werden und das wäre ebenso ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz.

Die Ernährung mit ovo – lacto – vegetarischer Kost ist der reinen vegetarischen (veganen) Kost vorzuziehen. Aber beide Formen der Ernährung können eine Bereicherung im Futterplan sein und für Abwechslung in der Fütterung sorgen.

Wer nun meint, dass man sich dann doch lieber einen Hamster zulegen sollten, der weiß vermutlich nicht, dass der Hamster auch ein Allesfresser ist und tierische Proteine sehr gern zu sich nimmt. Der reinen Pflanzenfresser wäre das Kaninchen. So wie die Katze oder das Frettchen die eigentlichen Fleischfresser unter den Haustieren sind. 

Lasst die Menschen ihren Weg für den Hund finden und wer sich für diese Fütterungsform interessiert, darf sich gern melden und wir besprechen gemeinsam einen individuellen Plan. Völlig egal ob nur an wenigen Tagen zur Abwechslung, ob mit ethischen Hintergrund oder wegen gesundheitlichen Problemen. Ich habe da ein offenes Ohr für Sie. 

 

Bildquellen

Daniela Schurig - Ernährungscoach