Ernährungsbrater, Direktvertrieb und ungewollte Diskussionen

VonDaniela

Ernährungsbrater, Direktvertrieb und ungewollte Diskussionen

Als Ernährungsberater ist man immer ein beliebter Mensch für Menschen, die gerne etwas verkaufen möchten. Da ist es egal ob man Menschen allein oder Menschen mit Hund oder Katze berät.

Allein in dieser Woche erhielt ich eine Mail mit einem Werbedokument von einem Futtermittel und eine Einladung zu einem ZoomCall in LinkedIn für ein anderes aus dem Direktvertrieb. Beide hatte ich weder dazu ermuntert, noch wollte ich entsprechende Informationen. Während bei einem der Hinweis auf rechtliche Rahmenbedingungen für so eine Werbung ausreichte, musste ich mit dem anderen diskutieren, weil ein „Nein, kein Interesse“ nicht ausreichte.

Ernährungsberater sollten wissen, was sie verkaufen

Oder etwas nicht? Viele dieser Vertreter nennen sich ja auch „zertifizierter Ernährungsberater“. Das ist nicht wirklich günstig, denn es gaukelt den Besitzern von Hund und Katze vor, dass der Mensch, der dort gerade ein Futter verkaufen oder seine Downline ausbauen möchte, weiß wo von dieser redet. Leider ist es häufig nicht der Fall. Schöne Werbephrasen sind da natürlich förderlich.

Unabhängig und mehrfach zertifizierte Ernährungsberater

Sie sind nicht mehr so selten. Es gibt das eine oder andere Ernährungsberater Fernstudium für die Richtung Hund und Katze. Ebenso gibt es für Ernährungsberater Weiterbildungen zu verschiedenen Themenbereichen oder Fütterungsmodelle.

Kurz um, ich bin mehrfach zertifiziert und bilde mich ständig weiter, wie man es auch in meinen Ausbildungen und Zertifikaten sehen kann. Da finde ich es dann schon schräg, dass man mir sagt, ich solle mich doch „informieren, negatives ausräumen, von Erfahrungen profitieren und Fragen an eine TA stellen“. Diese wohlgemerkt nach dem ich schon gezielt auf Defizite in dem entsprechenden Futtermittel hingewiesen haben.

 

Warum ich keine MLM Produkte mehr nutze

Ja eine Zeit lang hatte ich AniFit mit dabei. Allerdings nie ausschließlich. Denn es muss definitiv passen und es dauert eine Weile bis es passend gemacht war. Das ist um einiges Umständlicher, als direkt eine frische Ration zu erstellen, die dann auch noch gesunder ist als die Futtermittel an sich.

Ich habe es also kaum an den Mann oder die Frau gebracht und war daher eh ein schlechter Partner in der Downline. Im Grunde ist es einfacher über das Affiliatemarketing einiges zu verdienen. Ich kann empfehlen, was mich wirklich überzeugt und jeder kann selbst entscheiden ob er über meine Link kauft oder nicht. Klinken putzen fällt dort schon einmal flach.

Aber die Futtermittel sind doch so toll und gesund …

Der Hund / die Katze wird mit allem versorgt, was es braucht. Schauen wir einmal auf die untere Grafik welche von aNuCa stammt. Ich sage jetzt nicht, um welches Futtermittel es sich handelt.

Berechnet habe ich es für einen Testhund von 10kg – normal aktiv – normal gewichtig – erwachsen.

Die Fütterungsempfehlung liegt bei 200 – 400g. Brauchen würde dieser Hund 550g, wenn es sonst nix mehr geben würde. Dann entsteht dieses Bild.

Ernährungsberater Analyse

Vitamin A ist über das 30fache erhöht und damit kommen wir schon ein eine Bereich der gesundheitsgefährdend ist. Auf der anderen Seite sehen wir, das Protein sehr hoch ist und auch weit über den Bedarf gedeckt ist und Fett zum Beispiel niedriger ist als der Proteinwert.

Damit kommen wir zum zweiten Bild.

Direktvertrieb

PEQ … Der Protein – Energie – Quotient gibt an, wie viel Proteine der Körper aus dem Gewebe auslösen muss, um diese für die Energieversorgung heranzuziehen. Hier sind die Werte nach NRC und diese sind etwas höher. Aber wir sehen, dass sie über dem gewünschten Bereich sind. Schauen wir nun auf FEDIAF oder Zentek wäre der optimale Bereich von 10 – 12.

Bei der Umwandlung entstehen Abfallprodukte, welche Wiederrum die Nieren belasten. Auf Dauer in einer Ausschließlichen Fütterung wird sich diese wohl bedanken und schrittweise verabschieden.

Wir sehen aber auch, dass das Verhältnis von Calcium und Phosphor wirklich nicht toll ist. Der erhöhte Phosphorgehalte ist auch noch einmal ein Faktor für eine Schädigung der Niere.

 

Kann man trotzdem ein Futter aus dem Direktvertrieb füttern?

Ja könnte man. Aber dazu muss man rechnen und mit verschiedenen Zutaten kombinieren. Dazu braucht es kein Fernstudium Ernährungsberater. Es brauch nur das Wissen um die Bedarfswerte, welche man an verschiedenen Stellen im Internet findet und Excel. Noch einfach geht es mit einem Rechner – aNuCa zum Beispiel – welcher die Bedarfswerte nach verschiedenen Faktoren schon hinterlegt hat. Wichtig ist nur, dass man auch weiß, was man da in der Auswertung hat.

gute Ernährungsberater finden ist oft nicht einfach

Die Ausbildung zum Ernährungsberater dauert nicht nur einige Stunden, sondern Monate, unter Umstände Jahre. Ich selbst beschäftige mich mit dem Thema Ernährung für Haustiere schon über 20 Jahre. Für den Menschen sogar noch länger.

Wer als Ernährungsberater werden möchte, sollte an der richtigen Stelle investieren und sich nicht auf den Verkauf von Futtermitteln fokussieren. Es gibt einige Institute die dort wirklich gute und fundierte Ausbildungen anbieten, je nach dem welchen Schwerpunkt man gerne hätte.

Futtermittel- oder Futtermodellberater

Ich würde es begrüße wenn die Menschen aus dem Direktvertrieb sich dann eher Futtermittelberater nennen würden. Denn nichts anderes tun sie ja im Grunde. Auch wenn sie nur zum Positiven beraten und das Negative nicht erwähnen. Logisch eigentlich, meist wissen sie es ja auch nicht und wenn man die Berater darauf anspricht, dann wird es schnell persönlich.

In diesem Zusammenhang erinnere mich noch sehr lebhaft an die Diskussion in deren Verlauf man mich wegen Rufschädigung anzeigen wollten, weil ich meinte, dass man die Informationen ja von der Firma bekommen und sehr gut rechnen kann. Ja es war irgendwie lustig.

Auch die Berater die sich ausschließlich auf eine Fütterungsmethode spezialisiert sind, sind nicht immer Ernährungsberater für Hund und Katze. Sie kennen sich in ihrem Gebiet aus und haben dort sicherlich auch viel wissen. Allerdings hat eben jede Fütterungsmethode neben ihren Vorteilen auch immer Nachteile.

 

Ich rechne mit Zahlen nicht mit Prozenten

Es ist mir an der Stelle sehr wichtig, dieses zu erwähnen. Denn in der Individualität fällt schnell auf, dass Prozente toll sind, aber in ganzen Zahlen dann doch etwas ungenau. Gerade in Bezug auf Erkrankungen oder in der bedarfsorientierten Fütterung ist es immer interessant zu vergleichen.

So kann ich mit aNuCa vieles vergleichen und entsprechend anpassen. Es gibt dort natürlich auch andere Rechner und es geht auch wunderbar mit Excel.

Es ist eben immer etwas Wissenschaft vs. Meinung wenn es um die Fütterung geht. Aber man kann eigentlich nicht wirklich auf der Basis von Meinung diskutieren. Es ist schwierig, wenn Menschen das Wissen fehlt und sie dann nicht wissen, was Sie auf Argumente antworten sollen. Richtig anstrengend ist es dann, wenn diese Argumente gar nicht beachtet werden und man versucht weiterhin Werbung zu betreiben. Hier wäre es für beide Seiten einfacher, wenn das „Nein“ einfach akzeptiert wird und man sich nicht noch weiter ins Abseits schießt.

Manchmal kann es auch nützlich sein, genauer zu schauen, wen man überzeugen möchte. Denn mich überzeugen auch keine populistischen Artikel aus dem Internet oder gar Bücher von verschiedenen Autoren. Eine Meinung ist super, nur ist das Wissen aus populistischer Literatur immer auch noch eine Meinung und wissenschaftlich oft nicht haltbar. Eigenen Recherchen kann so ein „Märchenbuch“ auch nicht ersetzen.

Die Werbeslogan aus den Verkaufsschulungen in den Vertrieben kenne ich inzwischen nun auch ziemlich auswendig. Immerhin versucht man mich schon seit Jahre immer wieder zu werben. Genauso lange können mir spezielle Fragen einfach nicht beantwortet werden oder ich werde mit Werbephrasen abgespeist.

Es kann also nur für alle unbefriedigend sein. Für mich, weil mir kostbare Zeit verloren geht und für meinen gegenüber der keinen Abschluss macht und ebenso Zeit verschenkt habt.

Schade ist es eigentlich, …

… das es keine offizielle Ernährungsberater Lizenz für Hunde oder Katzen gibt. Ein Sachkundenachweis oder ähnliches. Gerade auch im Zusammenhang mit Erkrankungen. Wie oft habe ich bereits Haare raufend vor dem Computer gesessen, weil einem nierenkranken Hund ein Futter aus dem Direktvertrieb – siehe Bild oben – empfohlen wurde. Im übrigen kann ein Überschuss an Proteinen und ein Mangel an Ballaststoffen auch für Magen – Darm – Probleme verantwortlich sein. Gerade bei Verdauungsproblemen wie Durchfall ist Protein häufig ein Verursacher.

Bei den Menschen ist es so, dass der Ernährungsberater nur präventiv arbeiten darf. Wenn der Berater allerdings ein Studium zum Ernährungswissenschaftlicher abgeschlossen hat oder eine Ausbildung zum Diätassistenten kann dieser eine zusätzliche Qualifizierung zum Ernährungsberater/DGE machen. Nur diese Gruppe darf überhaupt im Krankheitsfall beraten und in dem Zusammenhang mit der Krankenkasse abrechnen. Mit Ausnahmen kann es sein, dass Heilpraktiker mit entsprechender Prüfung ebenfalls im Krankheitsfall beraten dürfen.

Ein Grund warum ich nur präventiv berate. Auch wenn ich bei Tieren sehr viel tiefgreifendes Wissen habe und mich auch im Rahmen der Erkrankungen weitergebildet habe. Ich verweise immer auf die Rücksprache mit dem Tierarzt und dass ich nicht sagen kann, wie sich etwas unter der Umstellung der Ernährung verändert.

Die Abgrenzungen sind also sehr wichtig, aber viele Berater schaffen es nicht, sich klar abzugrenzen. Also müssen es andere für diese tun. Man ist der stete Tropfen, der irgendwann hoffentlich einmal dien Stein höhlt. Es ist unbefriedigend wenn man auf Facebook oder auf persönlichen Treffen immer wieder erklären muss, warum man abrät oder es selber auf keinen Fall nutzen möchte, warum man es nicht empfehlen kann oder ähnliches.

Leider ist es so, dass jeden Tag neue Berater/Verkäufer für Futtermittel auf den schon lange übersättigten Markt kommen, weil man ihnen das schnelle Geld versprochen hat. Ein ganz einfaches unkompliziertes Nebeneinkommen oder sogar Haupteinkommen. Nein es ist nicht einfach. Wer überzeugt ist, der füttert es schon, ist vermutlich selbst bereist in einer Downline und vertreibt es. Wer es nicht füttern, ist entweder schon verbrannt oder kennt die gebaren.

Verbrannt in dem Sinne, dass es bereits mal gefüttert wurde und zu gesundheitlichen Problemen kam oder dass man sich im Nachhinein genauer über das Futter informiert hat. Eventuell gab es auch gesundheitliche Probleme im Kreis der Bekannten und Verwandten, die das Futter einem abgekauft haben und enttäuscht waren. Viele Freundschaften sind daran bereist zerbrochen.

Auch Tierärzte, die da mal mit völliger Überzeugung in den Vertrieb eingestiegen sind, sind, nach gehäuftem Auftreten gesundheitlicher Probleme mit dem Futtermittel auftraten, wieder ausgestiegen.

Der Markt hat keine Platz mehr für neue Mitarbeiter. An diesen Verdienen nur noch die höchsten in der Downline, aber der das letzte Glied in der Kette nicht mehr. Da zerplatzen Träume vom guten passiven Nebenjob und man tippt sich die  Finger wund mit Werbung, die keiner mehr wirklich möchte.

Im übrigen ist das bei den ganzen Beratern von den Nahrungsergänzungsmitteln und Diätprogrammen nicht anders. Auch diese möchten ständig dass man kauft, mitmacht und noch mehr nimmt. Dieses bringt aber im Grunde nix, außer verlorenes Geld und einen Jo-Jo sobald man aus dem Programm aussteigt. Dazu dann viel Frust, wenn es am Anfang gut läuft, das Gewicht purzelt und dann nichts mehr geht und man den Rat bekommt, doch noch mal von vorne zu beginnen.

Liebe Menschenkinder das ist der beste Weg in eine Essstörung …

 

Eine kleine Anmerkung noch am Ende …

Dieser Text enthält Affiliatelinks, mit einem Kauf oder Abschluss eines Abos von euch bekomme ich einige Prozente. Diese setze ich für verschiedenen Projekte ein – unter anderem für Weiterbildungen oder auch für Aktionen. Für Euch fallen keinen weiteren Kosten an.

Zum anderen spiegelt dieser Text meine persönliche Erfahrung wieder und ist damit subjektiv. Sie als Leser haben vielleicht andere Erfahrungen gemacht. Dass ist durchaus in Ordnung. Bitte akzeptieren Sie meine Meinung, wie ich auch Ihre akzeptiere. Auf einer sachlichen Ebenen ist ein Gespräch zu dem Thema jeder Zeit möglich. Eine Diskussion auf der persönlichen Ebene lehne ich kategorisch ab.

Bildquellen

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Über den Autor

Daniela administrator

Jahrgang 1974 Ausbildungen zum: - THP - Tiertherapeut - Naturheilkundeberater - Bachblütenberater - Ernährungsberater Hund und Katze Ansprechpartner für: - Thermomix - Emmi Ultrasonic (EmmiPet, EmmiDent, EmmiSkin - AniFit.

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    Daniela Schurig - Ernährungscoach